Brennend im Innern

Dieses Werk der Brüsseler Künstlerin Caroline Chariot-Dayez mag in dieser ehrwürdigen Stiftskirche überraschen. Nehmen wir uns Zeit, es zu betrachten.
Dreizehn Gestalten: Christus lehrend in der Mitte, die zwölf Apostel um ihn herum. Doch kein Gesicht, kein Körper ist wirklich dargestellt. Es sind die Gewänder und vor allem ihre Falten, die den Gestalten ihre Form geben.
Betrachten Sie nun die Farben. Manche Gewänder bleiben grau, fast im Schatten. Anderswo erscheinen Weiß, dann Ocker und warme Farbtöne. Es ist, als würde ein inneres Feuer die Gestalten nach und nach erfassen: Bei manchen scheint die Flamme kaum zu entstehen, bei anderen strahlt sie bereits durch das Gewand.
Hier erschließt sich der Sinn des Titels: Brennend im Innern. Er greift die Worte der Emmausjünger auf, die nach der Begegnung mit dem auferstandenen Christus zueinander sagen: „Brannte nicht unser Herz in uns?“
Caroline Chariot-Dayez ist eine Brüsseler Künstlerin, die seit vielen Jahren die Falten zum zentralen Thema ihrer Malerei gemacht hat. Für sie sind sie weit mehr als ein Spiel von Formen, Schatten und Licht: Sie sind zu einer Sprache geworden, die es ermöglicht, durch das Sichtbare das Unsichtbare anzudeuten.
Diese zwölf Gestalten sind die Apostel, doch zugleich stehen sie für die gesamte Menschheit. Ohne Gesicht können sie Männer oder Frauen sein, aus allen Zeiten, Sprachen und Kulturen. Und jeder scheint von diesem inneren Feuer auf andere Weise berührt zu werden.
Vielleicht können auch wir unseren Platz unter ihnen einnehmen. Welches Gewand würden wir wählen, um uns Christus zuzuwenden?