Identitätssymbol

Am 23. August 1914 setzten deutsche Truppen Dinant unter dem Vorwand, von Freischärlern beschossen worden zu sein, in Brand und richteten ein Blutbad an. 674 Zivilisten wurden erschossen und mehr als tausend Häuser niedergebrannt. Inmitten dieser Feuersbrunst stürzte der Zwiebelturm ein.

Die Frage des Turms stellte sich erneut. Der Architekt Veraart entwarf gotische Turmspitzen. Diese leidenschaftlich geführte Debatte stand im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau eines vom Krieg schwer verwundeten Landes.

Die Verfechter der stilistischen Einheit wurden von dem Ehrgeiz getragen, Belgien schöner und stolzer als je zuvor wiederaufzubauen. Die betroffene Bevölkerung hingegen hielt an ihrem Erbe und vertrauten Bild fest. Auf beiden Seiten bestand derselbe Wille, „wieder aufzustehen“, jedoch mit unterschiedlichen Gefühlen und Symbolen.

Die Befürworter des Zwiebelturms setzten sich durch. Der wiederaufgebaute Turm erhielt emblematische Bedeutung. Er verkörperte das Martyrium einer Stadt und ihren Willen, sich wieder aufzurichten – in jeder Bedeutung des Wortes. Nur das Glockenspiel fehlte noch. Seine Wiederherstellung im Sommer 2014 markierte den Abschluss eines langen Wiederaufbauprozesses.

Dinant, 1920. Kundgebung für den Wiederaufbau des Zwiebelturms.